Vision

Ein neuer Name für KI

Was Präsident Trump darüber sagte, KI künftig Superintelligenz zu nennen, was seine Verordnung vom 29. September von US-Behörden verlangt und was sich für ein Unternehmen ändert.

  • Analyse
  • 12.10.2026
  • 5 Min. Lesezeit

Am 29. September unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Executive Order, die US-Bundesbehörden anweist, «Super Intelligence» zu schreiben, wo sie bisher «artificial intelligence» schrieben. Seither macht die Nachricht in kürzerer Form die Runde: KI heisst jetzt Superintelligenz.

Hier steht, was tatsächlich gesagt und angeordnet wurde, was die Begriffe bedeuten und was sich für ein Unternehmen ändert.

Was gesagt und angeordnet wurde

Die Abneigung gegen den Namen ist älter als die Verordnung. An einem KI-Gipfel in Washington sagte der Präsident am 23. Juli 2025 über das Wort «artificial»: «Ich kann es nicht ausstehen. Ich mag nicht einmal den Namen.» Und er fügte an: «Wir sollten den Namen ändern.»

Am 19. September 2026 kam er auf Truth Social darauf zurück. Viele Menschen, schrieb er, hielten die Wörter «Artificial Intelligence» für ungenau, und er liess seine Follower zwischen Superior Intelligence, Extreme Intelligence und Supreme Intelligence wählen. Drei Tage später, vor der UNO-Generalversammlung in New York, entschied er sich für «super». Das Wort «artificial», sagte er, lasse Intelligenz «unecht klingen», und alle Dokumente der USA, hoffentlich auch jene der Welt, würden nun «super» verwenden.

Eine Woche später wurde das Wort zur Regel. Die Executive Order 14434, Inaugurating the Era of Super Intelligence, weist die Behörden an, soweit gesetzlich zulässig, in Korrespondenz, auf Websites, in Berichten und in Grundsatzdokumenten Super Intelligence und SI anstelle von Artificial Intelligence und AI zu verwenden. Frühere Vorschriften, Verträge, Fördermittel und historische Dokumente müssen nicht geändert werden. Am 8. Oktober schrieb der Präsident, das Weisse Haus betrachte jeden, der weiterhin den Begriff «Artificial Intelligence» verwende, als Feind.

Die Kurzfassung stimmt also, mit Einschränkungen. Der Präsident hat gesagt, KI solle Superintelligenz heissen, und seine Verordnung macht den Begriff zur Sprache der US-Exekutive. Sie bindet weder Unternehmen noch Bundesstaaten noch andere Länder, und sie ändert kein Gesetz: In den Bundesgesetzen steht weiterhin «artificial intelligence». Die Verordnung schreibt den Begriff zudem in zwei Wörtern, während Forschung und Labs «superintelligence» in einem Wort schreiben.

Was die Begriffe bedeuten

Künstliche Intelligenz ist der ältere Name. Er geht auf ein Forschungsprojekt im Sommer 1956 am Dartmouth College zurück, organisiert von John McCarthy, das Dartmouth als Geburtsstunde des Fachgebiets bezeichnet.

Im Recht ist der Begriff nüchtern. Das US-Bundesrecht definiert künstliche Intelligenz als maschinengestütztes System, das für Ziele, die Menschen vorgeben, Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen trifft, die reale oder virtuelle Umgebungen beeinflussen. Die EU-KI-Verordnung (AI Act) definiert ein KI-System ähnlich. Keine der beiden Definitionen behauptet, das System sei klüger als ein Mensch.

Superintelligenz meint etwas anderes. Der Philosoph Nick Bostrom, dessen Buch von 2014 das Wort bekannt machte, definiert sie als jeden Intellekt, der die kognitive Leistung des Menschen in praktisch allen relevanten Bereichen weit übertrifft. Sie ist die oberste Sprosse der Leiter, die wir in unserem Beitrag über AGI beschrieben haben, eine Stufe über der allgemeinen Intelligenz.

Die Verordnung behält unter dem neuen Namen die alte Bedeutung bei. Für ihre Zwecke umfasst Super Intelligence dieselben Technologien wie die gesetzliche Definition von künstlicher Intelligenz. Das Etikett zeigt auf die oberste Sprosse, die Definition dagegen umfasst weiterhin jedes System, das sie schon vorher umfasste.

Warum der Name zählt

Im Recht zählt die Definition, denn Definitionen entscheiden, wer was tun muss. Die Verordnung gibt dem Assistenten des Präsidenten für Wissenschaft und Technologie 60 Tage, bis zum 28. November, um eine gesetzliche Definition von Super Intelligence vorzuschlagen, einschliesslich der Frage, ob sie die bestehende Definition von künstlicher Intelligenz ändern, erweitern oder ersetzen soll. Die Anwaltskanzlei Wiley weist darauf hin, dass Vertragsklauseln, Meldepflichten und Förderprogramme oft auf die geltende Definition verweisen, eine neue könnte also ändern, was sie erfassen. Bis dahin arbeiten Fachleute für KI-Governance, wie es eine Analyse für die IAPP formuliert, mit zwei Vokabularen, die dieselben Systeme meinen können.

In der Branche war das Wort schon lange vor der Verordnung in Gebrauch, meist als Ausdruck von Ehrgeiz. Meta fasste seine KI-Teams im Juni 2025 in den Meta Superintelligence Labs zusammen, und einen Monat später schrieb Mark Zuckerberg, die Entwicklung von Superintelligenz sei nun in Sicht. Ein Unternehmen namens Safe Superintelligence bezeichnet den Bau sicherer Superintelligenz als das wichtigste technische Problem unserer Zeit. Solche Namen zeigen Investoren und gesuchten Fachkräften, wie gross die Wette ist.

Einige Unternehmen sind gefolgt. Salesforce hat seine Plattform AIForce in SIForce umbenannt. Anthropic, das am Tag der Verordnung ein freiwilliges Abkommen des Weissen Hauses zu Super Intelligence unterzeichnete, bezeichnet sich weiterhin als KI-Unternehmen, berichtet Newsweek.

Am stärksten wirkt ein Name auf die Erwartungen. Bei der Prüfung der UNO-Rede hielt PolitiFact fest, dass Fachleute aus der Branche Superintelligenz nicht als zutreffende Beschreibung der heute verfügbaren KI-Systeme sehen. Amazon Web Services beschreibt künstliche Superintelligenz weiterhin als theoretisches Konzept der KI-Forschung. Ein Werkzeug, das als Superintelligenz verkauft wird, wird an diesem Wort gemessen, von Kundinnen und Kunden ebenso wie von Verwaltungsräten.

Was sich für ein Unternehmen ändert

Für die meisten Unternehmen ändert sich rechtlich nichts. Ein Schweizer Unternehmen, das in die EU verkauft, arbeitet weiterhin mit der Definition eines KI-Systems aus der EU-KI-Verordnung und kann seine Begriffe behalten.

Drei Dinge lohnen sich trotzdem. Wenn Sie an US-Bundesbehörden verkaufen oder Fördermittel von ihnen erhalten, rechnen Sie damit, dass Formulare und Ausschreibungen SI sagen, und lassen Sie sich von der Behörde bestätigen, dass sich die Anforderungen hinter dem neuen Wort nicht geändert haben, wie Wiley empfiehlt. Beschreiben Sie Systeme in Ihren eigenen Verträgen und Richtlinien danach, was sie tun, nicht danach, wie sie heissen, und führen Sie ein einziges Glossar, damit KI und SI nie als zwei verschiedene Dinge gelesen werden.

Und wenn ein Anbieter Superintelligenz auf die Verpackung schreibt, fragen Sie, was drin ist: welche Aufgabe, wie gemessen, mit welcher Fehlerquote, und wer dafür einsteht, wenn es schiefgeht. Ein neues Etikett ändert nicht, was ein Modell am Montagmorgen kann. Auch Ihre eigenen Produkte müssen Sie nicht umbenennen: Das Vokabular kann sich erneut verschieben, sobald eine gesetzliche Definition vorgeschlagen ist.

Unser eigener Leitsatz lautet: Vom Menschen geführt. Von KI angetrieben. Als Nächstes autonom. Wie auch immer die Technologie heisst, die nützlichen Fragen bleiben dieselben: was sie heute verlässlich leistet und wer für das Ergebnis einsteht.